Kunstgewerbe­verein in Frankfurt

Menschen zusammenbringen seit 1877

Teilen

Der Kunstgewerbeverein in Frankfurt e.V. und seine Mitglieder trauern um

Dr. Friedrich Heigl

Der langjährige Vorsitzende und Ehrenmitglied des Kunstgewerbeverein in Frankfurt e.V. Dr. Friedrich Heigl verstarb am 26. Juni 2024. Niemand hat in den Jahren seit dem Wiederaufbau des KGV nach dem Zweiten Weltkrieg mehr für den Verein getan und bewirkt als Friedrich Heigl. Und das umfasste nur einen Teil seines Engagements für die Frankfurter Stadtgesellschaft. So hat er an hervorragender Stelle auch der Polytechnischen Gesellschaft gedient.

Vor mehr als fünfzig Jahren, im Alter von 34 kam Friedrich Heigl nach Frankfurt. Unsere Stadt kann sich glücklich schätzen, dass sie es vermochte, einen Mann wie ihn, mit seiner Tatkraft und Weitsicht dauerhaft an sich zu binden. Zehn Jahre hat er den Kunstgewerbeverein geführt und den Erwerb bedeutender Sammlungen für das Museum Angewandte Kunst gesichert, darunter die großartige Sammlung von japanischen Holzschnitten, die Sammlung Riese, deren Ankauf einen namhaften Betrag erforderte.

Die Revitalisierung der Historischen Villa Metzler, dieses Kleinods klassizistischer Baukunst, war maßgeblich Friedrich Heigls Werk. Die Villa steht dort in alter und neuer Pracht. Doch das ist keineswegs selbstverständlich. Als eines der wenigen historischen Gebäude am Sachsenhäuser Mainufer, die den Krieg überstanden hatten, war die Villa um 2000 in einem bedauernswerten Zustand. Sie abzureißen und ein Hotel auf dem Areal zu errichten wurden ins Spiel gebracht. Überlegungen die Villa zu renovieren hatten für die Stadt keine Priorität. Nun nahm sich der Kunstgewerbeverein der Sache an. Dem damaligen Vorsitzenden Joachim von Harbou gefiel die Idee; allein das Projekt durch den Verein zu stemmen fand er doch etwas zu ambitiös. Zu der Zeit war Friedrich Heigl bereits Mitglied im Vorstand. Als Chef eines weltweit tätigen Ingenieurunternehmens brachte er jede Menge Erfahrung im Projektmanagement mit, gepaart mit Selbstbewusstsein und Enthusiasmus. Auf die Frage des Vorsitzenden, ob er den nötigen Sachverstand habe, sich in der Lage sehe das Projekt umzusetzen, und dafür auch noch die Verantwortung zu übernehmen, antwortete er: „Ja“. Zusammen mit Friedrich von Metzler machte sich Friedrich Heigl nun auf, für das Vorhaben Geld einzusammeln. Die Reaktion einiger großer Finanzinstitute war verhalten. Nach und nach stellten sich jedoch Erfolge beim „Fundraising“ ein und da Projekt konnte - ohne Plan- und Budgetüberschreitung (!) - umgesetzt werden.

In der Villa und im Museum Angewandte Kunst hat der Kunstgewerbeverein dann unter Herrn Heigls Leitung und häufig auch durch seine Initiative mehr als zweihundert Veranstaltungen ausgerichtet: Führungen und Vorträge über Sammlungsobjekte und Themen der angewandten Kunst in Geschichte und Gegenwart, Vortragsreihen zu politischen und kulturellen Themen.  

Ein Projekt lag Herrn Heigl, besonders am Herzen: Die Untersuchung über den Weg und die Haltung des Mitteldeutschen Kunstgewerbevereins in der Nazizeit, mit der er den Historiker Thomas Bauer betraute.  Denn zur Tradition, der Herr Heigl sich in besonderem Maße verpflichtet fühlte, gehört auch die dunkle Vergangenheit.

Herr Heigl hat in einzigartiger Weise seine Fähigkeiten, sein Engagement und seine breiten Interessen zum Wohle des Kunstgewerbevereins eingesetzt, mit Durchsetzungsvermögen, mit Humor und mit noch etwas sehr Wichtigem: der Unterstützung seiner Frau Ulrike.

Ihm war der Kunstgewerbeverein stets ein Anliegen, und er kümmerte sich persönlich um Mitglieder, die in prekäre Lebenssituationen geraten waren. Und auch nach seinem Ausscheiden als Vorstandsvorsitzender stand er seinen Nachfolgern stets mit Rat und Tat zur Seite.

Friedrich Heigl war ein Staats- und Stadtbürger im besten Sinne, ein Citoyen. Wir verneigen uns vor ihm und seinem Lebenswerk und werden sein Andenken in Ehren halten. Unser Mitgefühl gilt seiner Familie.

Reinhard Hermes
(ehemaliger Vorstandsvorsitzender des Kunstgewerbevereins)

Katharina Pennoyer; Herbert Sahm; Dr. Dagmar Meidrodt; Ulrike Müller; Annette Lang;  Gabriele Abel; Uwe Müllner

Wir haben’s gegründet!

… auch wenn das schon eine Weile her ist! Ohne den Kunstgewerbeverein gäbe es das heutige Museum Angewandte Kunst nicht, und darauf sind wir stolz. Seit 1921 wird es von der Stadt Frankfurt am Main getragen.

Unter der Leitung des Direktors Matthias Wagner K richtet das Museum Angewandte Kunst seit seiner Wiedereröffnung im April 2013 den Fokus auf die Wahrnehmung gesellschaftlicher Strömungen und Entwicklungen, mit einem Schwerpunkt auf Design, Mode und Performatives.

Die Sammlungsschwerpunkte des Museums liegen in den Bereichen Europäisches Kunsthandwerk vom Mittelalter bis in die Gegenwart; orientalisches und islamisches Kunsthandwerk, u.a. Keramik aus Persien, türkische Teppiche, Textilien; ostasiatisches Kunsthandwerk und Kunstgewerbe aus China, Japan, Korea und Südostasien: Porzellan, Keramik, Lackarbeiten; Buchkunst und angewandte Graphik, Stammbücher sowie Design.

Die Sammlungen können Sie über Kataloge erschließen, die in der Bibliothek einsehbar sind. Einen Teil finden Sie auch in dem nebenstehenden PDF-Dokument.
Die Japanischen Farbholzschnitte sind online dokumentiert.

Ausstellungen und das allgemeine Museumsprogramm finden Sie hier. Das Kinderprogramm des Museums finden Sie hier.

Die polytechnische Familie

Die Polytechnische Gesellschaft hat in den vergangenen 200 Jahren 50 Tochterinstitute gegründet. Die Anlässe waren immer aktuell. Verantwortungsvoll und mit dem Wunsch zu gestalten und zu verbessern, nahmen sich die Polytechniker verschiedener Themen an. Einige Tochterinstitute gingen in städtische Trägerschaft über, andere wurden verkauft oder lösten sich wieder auf, um Platz für neue Initiativen zu schaffen. Der Kunstgewerbeverein in Frankfurt am Main e. V. ist ein selbstständiges Tochterinstitut der Polytechnischen Gesellschaft. Bald nach seiner Gründung im Jahr 1877 ging der Verein 1878 unter das Dach der Gesellschaft, 1920 trennten sie sich und 1958 kamen sie wieder zusammen. Seit 1965 beteiligt sich der Kunstgewerbeverein an der Vortragsreihe der Polytechnischen Gesellschaft. Als sich im Jahr 2006 die Polytechnische Gesellschaft größer aufstellen konnte, begann sie, den Kunstgewerbeverein für seine gemeinnützige Arbeit mit einer jährlichen Zuwendung zu unterstützen.

Die Tochterinstitute

Neben dem Kunstgewerbeverein engagiert sich besonders die 2005 gegründete Stiftung Polytechnische Gesellschaft. Sie ist von der Polytechnischen Gesellschaft großzügig ausgestattet worden und spielt in Frankfurt auf vielen Feldern mit. So unterstützt sie in den Bereichen Bildung, Wissenschaft, Kultur und Soziales und ist sowohl fördernd als auch operativ unterwegs. In zahlreichen Stipendienprogrammen hat sie zum Beispiel sei ihrem Bestehen 130.000 Frankfurter Bürgerinnen und Bürger, darunter 2.300 Stipendiaten, gefördert. Das Kuratorium Kulturelles Frankfurt, der Verein zur Pflege der Kammermusik und zur Förderung junger Musiker e. V. und die Wöhlerstiftung engagieren sich für Kunst und Kultur und bereichern mit vielen eigenen Veranstaltungen die Frankfurter Kulturszene. Am Institut für Bienenkunde in Oberursel arbeiten Wissenschaftler und Imker gemeinsam daran, das Überleben der Bienen zu sichern. Und das älteste, heute noch aktive Tochterinstitut ist die Frankfurter Stiftung für Blinde und Sehbehinderte, die sich dafür einsetzt, dass Blinde und sehbehinderte Menschen aktiv am gesellschaftlichen Leben teilhaben können.