Inventarnummer V.159

Flache Schale

Steinzeug, lavendelfarbigen Glasur, H 3 cm; Dm außen 15,8 cm, Dm Standring 5,5 cm, Nord-China, Junyao-Ware, Nördliche Song- oder Jin-Zeit, 11./12. Jh.

Flache Schale auf kurzem, geradem, leicht zum Zentrum hin abgeschrägtem Standring. Rötlich braun gebrannter, kräftiger Scherben. mit einer in unterschiedlichen Nuancen leuchtenden, lavendelfarbigen Glasur überfangen. Bodenfläche glasiert. Nur der Standring ist unglasiert. Die Schale ist ein qualitätvolles Beispiel für die bei Sammlern schon wegen ihrer eindrucksvollen Farbe seit jeher beliebte Jun-Keramik, die in Yuzhou in der nordchinesischen Provinz Henan hergestellt wurde. Aufgrund ihrer Beliebtheit wurde song- und yuan-zeitliche Jun-Ware häufig gefälscht. Dieses Stück jedoch ist zweifellos authentisch.

Der Vorbesitzer Karl Bacher, ein Frankfurter Teppichhändler uns Kunstfreund, war von 1903 an Vorstandsmitglied und Förderer des Kunstgewerbevereins. Den Vorstand verließ er als Jude jedoch 1933, obgleich er bis 1938 als Vereinsmitglied registriert war. 1942 erscheint der Name Karl Bacher auf der Liste eines Transports von Frankfurt nach Theresienstadt mit dem Vermerk „gestorben in Frankfurt a/M“. Ein großer Teil von Bachers Asiatica-Sammlung, so auch dieses Stück, wurde 1932 bei Hugo Helbing versteigert. Helbing selbst, ebenfalls Jude und bis in die 1930er Jahre einer der bedeutendsten Auktionatoren Deutschlands, wurde 1938 nach der Schließung seiner Münchner Kunsthandlung in der Reichspogromnacht zusammengeschlagen und starb wenig später an den Folgen.

Inv. Nr. V. 159, ehemals Sammlung Karl Bacher. Ankauf Auktion Hugo Helbing/Frankfurt am Main, 7./8.12.1932

Inventarnummer V.162

Hochzeitsbecher

Farbiges Porzellan, famille verte, email sur biscuit, H 5,9, L mit Henkel 10,1 cm, China, Qing-Zeit, Kangxi-Periode, um 1700

Der Hochzeitsbecher nimmt die Form eines archaischen Bronzegefäßes vom Typ guang auf. An beiden Seiten vor „cracked ice“- und Pflaumenblüten-Hintergrund zwei grotesk verzerrte Löwenmasken mit dem Zeichen wang 王 („König“) auf der Stirn, eine in der chinesischen Populärikonographie, z.B. beim Löwentanz, häufige Darstellungsform („König der Tiere“). Darüber ein Fries mit stilisierten Lochmünzen, einem Symbol für Reichtum. Je zwei hornlose chi-Drachen flankieren den Henkel und den Ausguss. In der Museumssammlung findet sich noch ein sehr ähnlicher, jedoch mit einer taotie-Maske als Hauptmotiv versehener Hochzeitsbecher aus der Sammlung Carl Cords (Inv.Nr. 10676). Biografisches zum Vorbesitzer Karl Bacher vgl. Eintrag zu V.159

V.162, erworben 1932, Auktion bei Hugo Helbing/Frankfurt am Main, vormals Sammlung Carl Bacher/Frankfurt am Main

Inventarnummer V.193

Weingefäß

Rötlicher Steinzeugscherben, türkisfarbene, irisierende Bleiglasur, H 45 cm, China, Han-Zeit, 206 v.  – 220 n. Chr., Alter durch Thermolumineszenztest bestätigt

Langgezogener, schmaler Hals, konischer unterer Teil, flaschenförmiger Gefäßkörper, breite schalenförmige Mündung mit leicht nach außen schwingender Lippe. Körper ohne „Ringhenkel“. Die Außenfläche des Gefäßkörpers ist durch schmale Linienbänder in drei Zonen gegliedert, die Linienbänder werden auf der Wandung der schalenförmigen Mündung wiederholt. Das Gefäß diente als Grabbeigabe, wobei seine Form sich an kostbareren Bronzevorbildern orientierte.

Inv. Nr. V. 193, 1953 erworben bei Walter Carl/Frankfurt am Main

Inventarnummer V.212

Schreibkasten (suzuri-bako)

Geflecht, Bleieinlage, Perlmutt (raden), Negoro-nuri-Lack, L 29,1, B 24, H 6 cm, Japan, späte Edo- oder Meiji-Zeit, 19. Jh.

Rechteckiger Kasten, flache, abgerundete Form mit stark abstehendem Stülpdeckel. Auf der Oberseite ein Holzfäller, eingelegt in dickem Perlmutt, Blei und Rotlack, der in der Art des Negoro-nuri partiell so abpoliert wurde, dass eine tiefer liegende Schwarzlackschicht sichtbar wird. Auf der Innenseite des Deckels Farnsprossen. Konturen jeweils mit Goldlack. Blei teilweise graviert. Das Motiv geht auf einen Schreibkasten von Hon'ami Kôetsu (1558 -1638) zurück (heute im MOA Museum of Art, Atami). Das Design dieses Kastens, das sich seitenverkehrt im 1864 erschienenen Holzschnitt-Musterbuch Kôrin shinsen hyakuzu („Hundert neue Bilder von Kôrin“), Band I. findet, diente offensichtlich als Vorlage für das Frankfurter Stück.

V.212, erworben 1960 bei Kunsthandel Ludwig Brettschneider, München, finanziert durch eine Spende von Werner Reimers/Bad Homburg

Inventarnummer V.284

Flaschenvase

Blauweiß-Porzellan, H 37 cm, Japan, Arita, Ko-Kutani-Stil, spätes 17. Jh.

Vase in ovaler Form mit engem, langem Hals. Die kobaltblaue Zeichnung in fein differenziertem Chiaroscuro. Das Hauptmotiv bildet eine botanisch nicht näher zu bestimmende Pflanze in bizarrer Wuchsform, bei der sich Elemente von Kamelie, Rose, Päonie und Gardenie verbinden. Die beiden Stämme sind umgeben von Iris, vermutlich Iris laevigata (botanische Einschätzung Marianne Beuchert). Am Hals über stilisierten Wolkenborten lanzettförmige Spitzen, die als stilisierte Bananenblätter zu verstehen sind. Sie sind ein Symbol für autodidaktische Bildung, basierend auf der chineischen Legende von einem Gelehrten, der in Ermangelung von Papier auf Bananenblätter schrieb.

V.284, erworben 1969 bei Galerie Gross/Wiesbaden

Inventarnummer V.333

Aufgesatteltes Pferd

Heller Ton mit gelblich brauner, fein gesprüngelter sancai–Glasur, H 52 cm, China, Tang-Zeit, Ende des 7. bis 1. Hälfte 8. Jh., Alter bestätigt durch Thermolumineszenztest

Das Tier ist mit Schabracke und Sattel versehen. Das Sattelzeug blieb unglasiert und war ehemals auf weißer Engobe kalt bemalt. Pferd des Ferganatypus mit lebendiger Ausformung des Kopfes. Die Physiognomie des lebensecht geformten Tierkörpers entspricht dem Idealtyp eines Pferdes in der Tang-Zeit. Als Grabbeigaben für höhere Beamte waren Pferde bereits in der Han-Zeit (206 v. – 220 n. Chr.) verbreitet. Die intensiven Kontakte zu den benachbarten Reitervölkern in der Tang-Zeit (618 – 907) sind eine Ursache für die neue Häufung von Pferdefiguren im späten 7. und 8. Jahrhundert. Die Beliebtheit von Pferdedarstellungen ist in der Tang-Zeit auch in der Malerei nachweisbar. So zählt Han Gan (tätig Mitte 8. Jh.) zu den berühmtesten Pferdemalern Chinas.

Inv. Nr. V. 333, erworben 1980 von F. Mook/Frankfurt am Main

Inventarnummer V.334

„Überall Pflaumenblüten“

Aus: Militärische Aufmärsche der Mandschu-Armee, 29 Blätter, als Leporello montiert, Stempeldruck auf Papier, handkoloriert, je 50,5 x 50,5 cm, China, wohl 1. Hälfte Qing-Zeit (1644 – 1911)

Auf dem Exerzierplatz der hier gezeigten 15. Formation, umgeben von Zelten, paradierende Soldaten. Vom Turm unten links aus überwacht der Kommandant die Übung, was eine Fahne mit dem Zeichen shi師 („Meister“, „Instrukteur“) verdeutlicht. Am rechten oberen Bildrand ist jeweils eine Vignette mit dem aus vier Schriftzeichen bestehenden Namen der Formation angebracht, darunter steht die der Formation zugewiesene Ordinalzahl. Unten am rechten Bildrand eine Vignette, die den Ablauf des Manövers kurz umreißt und auf die folgende hinweist. Hier heißt es: „Die Schildträger laufen in Form einer Pflaumenblüte zusammen, die Schützen nehmen hinter den Schilden Aufstellung. Ein Signal mit dem Metallgong ist zu hören. Sobald ein langgezogenes Hornsignal ertönt, treten die Schildträger in eine Reihe und heben zu einem lauten Kampfgeschrei an […]. Die Formation geht zur Aufstellung ‚die Berge türmen sich gegenüberliegend auf‘ über.“ Der Aufbau der einzelnen Blätter ist sehr ähnlich, allerdings fehlen die erste und die dreißigste Formation. Das Leporello endet mit der 31. Formation. Aus dem Nachlass des Vorbesitzers, des Sinologen Walter Fuchs, findet sich im Museum Angewandte Kunst auch ein seltenes Holzschnittalbum zur „Südreise“ des Kaisers Qianlong im Jahr 1765 (Inv.Nr. H.St. 54, Dauerleihgabe Adolf und Luisa Haeuser-Stiftung).

V.334, aus dem Nachlass des Kölner Sinologen Walter Fuchs (1902 – 1979), erworben 1980